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Der Vater in der Ödnis – Teil II

Der Vater in der Ödnis – Teil II

Ein Blogbeitrag über Norbert, der allein durch die Ödnis wandert und nach seinen verschwundenen Kindern sucht.

Der Morgen in der Werkstatt

Der Morgen roch nach kalter Erde und altem Metall, als Norbert die Augen öffnete. Die alte Werkstatt, in der er Schutz gesucht hatte, lag still. Staub hing wie ein grauer Schleier in der Luft, und die Werkbänke waren bedeckt mit Werkzeugen, die seit Jahren niemand mehr benutzt hatte.

Er richtete sich langsam auf. Seine Gelenke protestierten, als hätten sie vergessen, wofür er jeden Tag aufstand. Er überprüfte seine Ausrüstung: Die Wasserflasche fast leer, das Messer stumpf, die Jacke zerrissen. Aber er lebte. Und solange er lebte, suchte er weiter.

Die Strasse im Nebel

Draussen lag die Welt still. Nebel kroch über die Straße, als würde er versuchen, die Ruinen zu verschlingen. Norbert trat hinaus, lauschte, wartete.

Keine Schritte. Keine Stimmen. Nur das ferne Knacken eines Gebäudes, das endgültig aufgab.

Er ging langsam die Strasse entlang, die Augen wachsam. Links ein verrosteter LKW, die Reifen geplatzt, die Scheiben eingeschlagen. Rechts ein Haus, dessen Tür einen Spalt offen stand, nicht weit, aber genug, um ihn misstrauisch zu machen.

Er blieb stehen. Atmete flach. Hörte.

Nichts.

Die Spuren im Staub

Mit der Messerspitze schob er die Tür weiter auf. Der Raum dahinter war leer, aber nicht unberührt.

Auf dem Boden lagen Fußspuren im Staub. Kleine. Leichte.

Kinder.

Norbert kniete sich hin und fuhr mit den Fingern über die Abdrücke. Sie waren nicht frisch vielleicht ein Tag alt, vielleicht zwei. Aber sie waren echt.

Er folgte den Spuren durch das Haus, durch die Hintertür hinaus in den Garten. Dort endeten sie abrupt, verwischt, als hätte jemand sie absichtlich zerstört.

Norbert blieb stehen. Die Hände zu Fäusten geballt. Die Kälte kroch ihm in die Knochen, aber er spürte sie kaum.

Irgendjemand war hier. Irgendjemand hatte Kinder bei sich. Vielleicht seine. Vielleicht nicht.

Aber es war eine Spur.

Der Wald

Hinter dem Garten begann ein alter Wald. Dicht. Dunkel. Unberechenbar.

Norbert sah in die Richtung, in die die Spuren ungefähr geführt hatten. Die Bäume standen wie stumme Wächter, ihre Äste krumm und schwer, als würden sie Geheimnisse verbergen.

Er zog den Rucksack fester, überprüfte das Messer und trat in den Schatten des Waldes. Der Boden war weich, bedeckt mit feuchtem Laub. Jeder Schritt war gedämpft, jeder Laut verschluckt.

Er blieb stehen, lauschte. Ein Vogel, weit entfernt. Ein Ast, der brach. Oder etwas anderes.

Norbert ging weiter.

Der Schwur

Die Ödnis hatte ihm fast alles genommen. Sein Zuhause. Seine Sicherheit. Seine Kinder.

Aber nicht seinen Willen.

Er würde sie finden. Oder er würde auf dem Weg zu ihnen sterben.

Stehenbleiben, das war keine Option.

Fortsetzung folgt...........

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